Retrospektiven nachhaltig gestalten – Interview Diana Larsen

Vor einigen Wochen hatte ich die Gelegenheit ein Interview mit Diana Larsen, Co-Autorin des Buches “Agile Retrospectives: Making Good Teams Great!“, zu führen. Diana Larsen, die neben ihrer Karriere als Beraterin und Unternehmerin auch dem Board of Directors der Agile Alliance angehört, ist aktuell in vielen Ländern rund um den Erdball unterwegs, um Führungskräfte und Teams bei ihrer Arbeit zu unterstützen.

Mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Zusammenarbeit mit technischen Experten, richtet Diana den Fokus auf die menschliche Seite der Organisationen, Teams und Projekte. Sie gibt ihren Kunden die Werkzeuge an die Hand, die sie zur Ausgestaltung der Arbeitsumgebung benötigen, um produktive Teams zu schaffen. Sie zeigt Lösungen und Möglichkeiten auf, wo andere nur Barrieren und Hindernisse sehen.

Im Interview beantwortet Diana meine Fragen zu häufigen Problemfällen bei der Durchführung von agilen Retrospekiven und wie man diese vermeiden kann.

Diana, ich freue mich wirklich darüber, dass du Zeit für dieses Interview findest. Ich habe mir viele Gedanken über eine Einstiegsfrage gemacht, konnte mich jedoch nicht entscheiden. Daher frage ich dich, was für eine Frage hast du über das Thema agile Retrospektiven noch nicht gehört?

Seit 2006, als das Buch erschien, habe ich viele unerwartete Fragen gehört. Die Gruppe von Agilisten und Projektmanagern ist sehr gründlich in ihrem Denken.  Ich denke, ich habe noch nie gehört “Warum ähnelt eine agile Retrospektive dem Verzehr eines Elefants?”

Warum ähnelt eine agile Retrospektive dem Verzehr eines Elefanten?

Man muss bei beiden einen Bissen nach dem anderen machen. Es funktioniert nicht, wenn man es ohne Planung tut.

Esther Derby und du habt wirklich viele mit euerem Buch “Agile Retrospectives: Making Good Teams Great“ inspiriert. Warum habt ihr euch genau für dieses Thema entschieden?

Wir haben beide Retrospektiven in Großprojekten geführt, wenn es Organisationen darum ging herauszufinden, was beim nächsten Projekt verbessert werden kann. Wir realiserten, dass die kurzen Timeboxes der agilen Iterationen und Releases mehr Möglichkeiten boten, um aktuelle Projekte zu verbesseren. Auch legte das Agile Manifest und verschiedenen Methoden großen Wert auf die Einhaltung von Feedback-Schleifen. Warum sollte man dann nicht auch die Feedback-Schleifen innerhalb von Teams über die eigenen Praktiken, Prozesse und die Teamarbeit durchführen?

Aktuell reist du um die ganze Welt und unterstützt Firmen mit deinen Seminaren und Talks über die beste Art und Weise Retrospektiven durchzuführen. Sind die Problme immer gleich oder unterscheiden sie sich von Fall zu Fall?

Beides, es gibt Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Die meisten Probleme tauchen in Organisationen wiederholt auf. In jeder Organisation herrscht jedoch ein eigenes Klima sowie Personalführung, die Einfluss auf die Durchführung von Retrospektiven hat.

Diana, lass uns etwas ins Detail gehen. Was ist oder besser, was sind die am häufigsten Fehler die in Retrospektiven auftreten können?

Der häufigste Fehler basiert auf einer 2-Frage Retrospektive. Um “Zeit zu sparen” und schnell durch die Retrospektive zu kommen, wird das Team gebeten, zwei Listen zu erstellen: Was lief gut? Was sollten wir verändern? Dann ignorieren sie die erste Liste und hängen die zweite als große Grafik aufgehängt. Man erwartet dann dadurch, dass sich das Verhalten verändert und die Verbesserungen ohne zusätzlichen Aufwand entstehen. Grundsätzlich passiert dann nichts, nichts verbessert sich, da die Menschen eine falsche Illusion vom eigentlichen Sinn der Retrospektiven erhalten. Es fühlt sich wie eine große Zeitverschwendung an. Und so ist es auch, wenn sie so durchgeführt wird.

Wie verhindert man diese Fehler?

Investiere mehr Zeit und Gedanken in die Planung und das Design von Retrospektiven. Nutze das flexibles Rahmenwerk aus unserem Buch, um die Meetings zu einem gemeinschaftlichen Entscheidungsprozess zu fürhen und klare, limitierte Aktionen für die Verbesserung zu definieren. Retrospektiven sollten die “Check” und “Act” Teile des PDCA Zyklus enthalten.

Was für ein Resultat hat jeder erfolgreich durchgeführte Retrospektive am Schluß?

Ein Plan, für die Arbeit an der Verbesserung von Nachteilen und die Erhaltung von Vorteilen, den das gesamte Team untersützt.

Denkst du das Retrospektiven schlechte Resultate hervorbringen können, nachdem man sich dazu entschieden hat eine zu veranstalten?

Eine schlecht vorbereitete und uneffizient durchgeführte Retrospektive ist Zeitverschwendung und kann ein Türöffner für schlechte Stimmung und Teamentscheidungen sein.

Du arbeitest aktuell an einem neuen Buch, magst du mitteilen, was uns erwarten kann?

Ich habe ein neues Buch mit Ainsley Nies über den erfolgreichen Start von neuen Projektteams verfasst. Es lautet “Liftoff: Launching Agile Teams and Projects Toward Success” und wird irgendwann diesen Herbst erscheinen.

Diana, ich danke dir vielmals für deine Zeit und ich bin gespannt auf das neue Buch. Gibt es etwas, was du abschließend sagen möchtest?

Ich freue mich auf die Möglichkeit, viele agile Praktiker auf meinen Reisen kennenzulernen. Ich werde im Januar 2012 nach Deutschland zurückkommen, um die OOP Konferenz zu besuchen. Ich hoffe, viele Geschichten über Wege zu hören, wie Praktiker ihre Unternehmskulturen und agile Teams in Einklang bringen. 

Weitere Informationen über Diana Larsen:

Autor: Robert Wiechmann

Robert Wiechmann arbeitet als Agiler Projektmanager vorrangig in der Rolle als Scrum Master und Kanban Coach. Zu seiner Leidenschaft zählen die Arbeit mit Menschen, insbesondere der Aufbau von produktiven Agilen Teams und die praktische Anwendung von Agilen Softwareentwicklungsmethoden. Zusammen mit Sven Röpstorff verfasste er das Buch Scrum in der Praxis.

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