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Das Auge Saurons

04.10.2010

Kürzlich hatte ich das Vergnügen, im Rahmen eines Kickoffs für ein Großprojekt ein paar Worte zum Thema “Agile Vorgehensweisen” sagen zu dürfen, da mindestens ein Teil dieses nach traditionellen Methoden durchgeführten Großprojekts mit Hilfe von Scrum umgesetzt werden sollte. Etwa 40 Menschen nahmen an dem Kickoff teil und meine Timebox war zu klein, um die Scrum Basics so zu erläutern, dass sie den Kollegen nachhaltig in Erinnerung geblieben wären. Ich habe mich also darauf beschränkt, einen kleinen Vortrag über agile Werte und ihr Wirken in Unternehmen zu halten, da diese leider bei Scrum-Implementierungen zu oft vernachlässigt werden. Anschließend haben wir diese mit einer kleinen Übung vertieft, die ich hier beschreibe.

Die Übung heißt Collaborative Origami und ich habe sie wie schon so viele bei Tasty Cupcakes gefunden.

Voraussetzungen:

  • mindestens 18 Teilnehmer, je mehr, desto besser
  • ausreichend Platz, so dass die Gruppen sich etwas verteilen können
  • ein paar Blätter Druckerpapier (~ soviel Blätter wie Teilnehmer)
  • Stifte (ein Stift pro zwei Teilnehmer)
  • Ausdrucke der Arbeitsanleitungen
  • Ausdrucke der Faltanleitungen

Die Teilnehmer werden in drei Gruppen mit gerader Anzahl Teilnehmer aufgeteilt, die alle dieselbe Aufgabe bekommen: Sie sollen das Auge Saurons (für die Nicht-Lord-Of-The-Rings-Fans: Sauron ist der Ober-Bösewicht in der “Herr der Ringe”-Trilogie) aus Papier falten. Lediglich die Rahmenbedingungen für die einzelnen Gruppen sind unterschiedlich. Sollte die Gesamtzahl der Teilnehmer ungerade sein, kann man auch einen Beobachter pro Gruppe festlegen, der anschließend über die Durchführung der Übung berichtet.

Alle Gruppen werden gebeten, intern Zweierteams zu bilden. Ein Teammitglied wird falten, das andere Teammitglied wird anleiten. Die Teams in den jeweiligen Gruppen bekommen die folgende Arbeitsanleitung:

Gruppe 1

  • Entscheidet Euch, wer anleitet und wer faltet
  • Setzt Euch Rücken an Rücken. Der Falter sollte eine stabile Unterlage haben
  • Der Falter darf die Faltanleitung nicht sehen!
  • Der Anleiter darf das Faltobjekt nicht sehen,  bevor es komplett fertig ist
  • Der Anleiter erklärt dem Falter anhand der Faltanleitung, was zu tun ist
  • Steht bitte auf, wenn Ihr fertig seid, und ruft laut “Fertig!”

Gruppe 2

  • Entscheidet Euch, wer anleitet und wer faltet
  • Setzt Euch einander gegenüber. Der Falter sollte eine stabile Unterlage haben
  • Der Falter darf die Faltanleitung nicht sehen!
  • Nur der Falter darf falten, der Anleiter darf das Faltobjekt zwar sehen, aber nicht berühren!
  • Der Anleiter erklärt dem Falter anhand der Faltanleitung, was zu tun ist
  • Der Anleiter darf den Falter beim Falten beoachten und Hinweise geben (ihm aber nicht die Faltanleitung zeigen)
  • Steht bitte auf, wenn Ihr fertig seid, und ruft laut “Fertig!”

Gruppe 3

  • Entscheidet Euch, wer anleitet und wer faltet
  • Setzt Euch nebeneinander. Der Falter sollte eine stabile Unterlage haben
  • Der Falter darf die Faltanleitung sehen!
  • Nur der Falter darf falten, der Anleiter darf das Faltobjekt zwar sehen, aber nicht berühren!
  • Der Anleiter darf den Falter beim Falten beoachten und Hinweise geben
  • Steht bitte auf, wenn Ihr fertig seid, und ruft laut “Fertig!”

Tip: Die Gruppen sollten die Arbeitsanleitungen der anderen Gruppen nicht sehen, sonst konzentrieren sie sich mehr auf die Unterschiede als auf die Aufgabe.

Als Faltanleitung habe ich die Vorlage “A Blinking Eye” vom Origami Club gewählt. Natürlich kann man auch beliebige andere Kunstwerke falten. Ich empfehle aber dringend, die Faltanleitung vorher auszuprobieren, ich habe meine Feinmotorik und mein Abstraktionsvermögen doch etwas überschätzt. Außerdem sollte man darauf achten, dass man für das Falten keine Ewigkeit braucht, sonst wird die Übung schnell langweilig.

Nachdem alle Teilnehmer die Aufgabenstellung verstanden haben, bekommen die Anleiter die Faltanleitung ausgehändigt. Alle starten zum gleichen Zeitpunkt.

Wie nicht anders zu erwarten, sind die Teams in der dritten Gruppe ziemlich schnell fertig. Wenn diese Kollegen aufstehen und “Fertig!” rufen, haben vermutlich einige Teams in der ersten Gruppe noch nicht mal die Hälfte der Schritte durchgeführt. Wenn sie denn überhaupt schon erkannt haben, dass Druckerpapier rechteckig ist, sie aber eine quadratische Basis benötigen :) Wenn auch die zweite Gruppe fertig ist, breche ich die Übung in der Regel ab, da die erste Gruppe vorraussichtlich noch zu lange braucht, um auch fertig zu werden.

Angefangen mit der ersten Gruppe bitte ich die Teilnehmer, ihre Arbeitsanleitung vorzustellen und von ihrer Erfahrung mit der Übung zu berichten. Hier kommt häufig, dass die Anweisungen des Anleiters nicht präzise genug waren und dass der Anleiter nie genau wusste, wie das aktuelle Zwischenergebnis aussah, so dass er hätte korrigierend eingreifen können.

Die zweite Gruppe bitte ich, die Unterschiede ihrer Arbeitsanleitung im Vergleich zur ersten aufzuzeigen und frage nach, ob die Probleme der ersten Gruppe hier auch auftraten. Dabei wird erkannt, dass allein durch die Tatsache, dass der Anleiter ein visuelles Feedback hatte, sehr viel präzisere Angaben und Korrekturmöglichkeiten vorhanden waren. Bemängelt wird oft das nach wie vor vorhandene “Herrschaftswissen” des Anleiters, der dem Falter die Anleitung ja nicht zeigen darf.

Auch die dritte Gruppe, die ja als erstes fertig geworden ist, bitte ich um eine Darstellung der Unterschiede in der Arbeitsanleitung und der Erfahrung mit der Übung. Hier wird meist die Möglichkeit zur gemeinsamen Arbeit und die Tatsache, dass der Falter die Faltanleitung sehen durfte, positiv hervorgehoben.

Nachdem alle drei Gruppen ihre Erfahrungen mit der Übung berichtet haben, führe ich noch ein kurzes Debriefing durch

Debriefing:

  • Die gemeinsame Arbeit an einem Ziel macht mehr Spaß, ist meist schneller und liefert eine höhere Qualität (Zusammenarbeit Team und Product Owner, Pair Programming)
  • Auch wenn die verbale Kommunikation nicht eingeschränkt ist, kommen nicht immer zeitnah Ergebnisse heraus. Besser ist Zusammensitzen und Zusammenarbeit (Colocation, Collaboration)
  • Visualisierungen können eine enorme Hilfe sein
  • Zeitnahes Feedback sorgt für frühes Erkennen von Fehlern und frühes Gegensteuern (Review)
  • “Herrschaftswissen” kann zu Verzögerungen führen (Sichtbarkeit des Product Backlogs)

BTW: Robert und ich sind vom 05.10.2010 bis zum 10.10.2010 in Kiew bei der AgileEE 2010 und würden uns freuen, Leser dieses Blogs mal persönlich zu treffen.

AutorIn des Artikels

Sven Röpstorff hat 21 Artikel verfasst.
Sven Röpstorff arbeitet freiberuflich als agiler Projektmanager und Coach mit über 16 Jahren Berufserfahrung. Mit seinen Teams probiert er gern neue Wege und Methoden, um sich und sein Umfeld stets weiter zu verbessern. In seinen Vorträgen und Workshops bringt er den Menschen agile Vorgehensweisen auf interessante und spielerische Weise nahe und macht sie somit sichtbar, fühlbar, erlebbar.

  • Kategorie: Agile Softwareentwicklung|Scrum|Zusammenarbeit
  • Schlagworte: Agil, Agile, Agile Softwareentwicklung, Coaching, Game, Kommunikation, Projektmanagement, Scrum, Team, Tipps, Übung, Zusammenarbeit
  • Autor: Sven Röpstorff

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3 Kommentare zu Das Auge Saurons

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schlossBlog » #402 PM-Reader

05.10.2010

[...] Sven Röpstorff setzt sich auf PROJEKT-LOG mit Collaboration in Projekten auseinander und erläutert die Übung Collaboration Origami. [...]

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Ressourcen zu Scrum

07.10.2010

[...] schönes Beispiel, welches das Prinzip von agilen Methoden spielerisch zeigt, findet sich auf dem Projekt [...]

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Ressourcen zu Scrum | Sebastian Schneider

19.07.2011

[...] schönes Beispiel, welches das Prinzip von agilen Methoden spielerisch zeigt, findet sich auf dem Projekt [...]

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