Die Team-Charter

09.08.2011

Kennen Sie das auch? Ein Projekt beginnt, ein neues Team kommt zusammen und nichts will so richtig funktionieren. Die Kommunikation der Teammitglieder gestaltet sich kompliziert, jeder hat andere Vorstellungen, wie vorzugehen ist und obendrein scheinen auch die Projektziele nicht ganz klar zu sein.

Als ScrumMaster habe ich ein großes Interesse daran dem Team dabei zu helfen so schnell wie möglich in ruhiges Fahrwasser zu kommen und sich auf die Erreichung der Projektziele konzentrieren zu können. Mein Werkzeug der Wahl in dieser Situation ist ein Workshop mit dem Team, in dem wir eine Team-Charter entwickeln. Die Team-Charter beschreibt dabei Team-Zweck, Rollen und Verantwortlichkeiten und legt insbesondere auch die Spielregeln der Zusammenarbeit im Team fest. Die Verantwortung für die Team-Charter liegt beim Team, ebenso wie ihre konkrete Ausgestaltung.

Die Team-Charter unterscheidet sich vom klassischen Projekthandbuch gemäß DIN 69905 , das ebenfalls die Informationen und Regelungen, die für Planung und Durchführung eines Projekts gelten sollen, enthält. Die Verantwortung für das Projekthandbuch liegt nämlich nicht beim Team, sondern bei der Projektleitung, die das Dokument auch zur Klärung differenter Standpunkte mit dem Auftraggeber verwendet.

Es empfiehlt sich die Team-Charter in einer frühen Phase des Teambildungsprozesses zu erstellen. Dabei ist die Team-Charter nicht statisch, sondern muss entsprechend des Inspect-and Adapt-Prinzips, etwa im Rahmen von Retrospektiven, immer wieder an die aktuellen Gegebenheiten angepasst werden.

Ich habe mit meinem Team eine Team-Charter-Workshop zu Beginn des Projektes durchgeführt. Eine gute Vorbereitung dieses Workshops kann ich dringend empfehlen. Nachfolgend einige Beispiele, die eine Team-Charter beinhalten kann.

Bestandteile einer Team-Charter könnten sein:

1. Team-Zweck und Team-Ziele
Warum wurde das Team gegründet? Welche Ziele verfolgt das Team? Welche Herausforderungen sind schon bekannt? Welche Termine sind unbedingt einzuhalten?

Beispiel Szenario:

  • Das Team wurde gegründet, um eine neue web-basierte Plattform zur Bewertung von Hotels bereitzustellen. Da eine erste Werbekampagne für das TV im Dezember 2011 geplant ist, soll ein erster Prototyp im November 2011 bereit gestellt werden, den ausgewählte Nutzer beurteilen werden.

2. Rollen, Verantwortlichkeiten, Teammitglieder
Welche Rollen mit welchen Verantwortlichkeiten gibt es im Team? Welches Teammitglied hat welche Rolle?

Beispiel Product Owner:

  • Der Product Owner ist für die Produktvision zuständig, Ansprechpartner für das Team bei fachlichen Fragen, etc.

3. Zusammenarbeit
Wie arbeiten die Teammitglieder zusammen? Wie unterstützen sich die Teammitglieder? Welche Regeln gelten für gegenseitiges Feedback? Wie löst das Team Konflikte?

Beispiel Feedback:

  • Das Team hält sich an diese Feedbackregeln: Feedback ist konstruktiv, konkret, subjektiv, nicht nur negativ, etc.

4. Meetings
Wann finden welche Meetings statt? Wie ist die Agenda für die Meetings und wer nimmt teil? Welche Regeln gelten für die Durchführung von Meetings?

Beispiel Sprint Planning:

  • Teilnehmer: Team, Product Owner, ScrumMaster
  • Ergebnis: Selected Product Backlog
  • Ablauf: Das Team wählt die User Stories für den nächsten Sprint aus und erfasst zu jeder User Stories die Akzeptanzkriterien.
  • Regeln: Wir lassen den anderen ausreden. Wir kommen pünktlich zum Termin. etc.

5. Artefakte
Wie verfolgt das Team den Projektfortschritt? Gibt es weitere notwendige Artefakte oder Reports, die das Team führen möchte?

Beispiele:

  • Sprint Burndown Chart
  • Sprint-Ampel

Ich habe den Team-Charter-Workshop mit einigen Teamspielen aufgelockert, um den Tag nicht allzu anstrengend zu gestalten. Zum Schluss sollten alle Teammitglieder die im Workshop entwickelte Team-Charter unterschreiben, um so ihre Verbindlichkeit zu erhöhen. Weitere Ideen zur Entwicklung einer Team-Charter sind hier zu finden.

Was halten Sie von der Idee einer Team-Charter?

Autor: Katja Roth

Katja Roth ist zertifizierte Projektmanagement-Fachfrau (GPM) IPMA Level D und seit vielen Jahren als Senior Projektmanagerin und Scrum Master in verschiedenen Branchen tätig. Als Agile Coach berät sie Unternehmen bei der Einführung agiler Methoden. Ihre Leidenschaft gilt dabei insbesondere dem agilen Produktmanagement. Als Autorin von Fachartikeln und Trainerin teilt sie ihr Wissen gern mit anderen Menschen.

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