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User Stories für das Product Backlog (Teil 1|2)

05.08.2009

Heute freue ich mich sehr darüber, ein kurzes Interview mit Ralf Wirdemann präsentieren zu dürfen. Ralf Wirdemann ist nicht nur ein langjähriger Scrum Master (CSM) und Scrum Practitioner (CSP) sondern auch Geschäftsführer und Autor  diverser Fachpublikationen zum Thema Scrum und Ruby on Rails (RoR). Sein aktuelles Werk Scrum mit User Stories steht seit Anfang Mai in den Verkaufsregalen und reiht sich somit in die Fachliteratur zum Thema agile Software-Entwicklung ein.

Ich konnte Ralf einige Fragen zu seinem Buch stellen. Das Ergebnis können Sie hier nachlesen.

Projekt-log.de: Ralf, was war deine Motivation, dieses Buch zu schreiben?

Ralf Wirdemann: Ich bin vor ca. sieben Jahren im Zusammenhang mit XP (siehe Extreme Programming) über User Stories gestolpert. Seit dem versuche ich, sofern es sinnvoll ist, die Anforderungen meiner Projekte mit Hilfe von User Stories zu beschreiben. In den letzten Jahren ist mir aufgegangen, dass sich Scrum und User Stories optimal ergänzen. Außerdem ist mir aufgefallen, dass viele Scrum-Teams ihre Backlog Items bereits als User Stories bezeichnen, ohne wirklich zu wissen, was User Stories genau sind. Diese beiden Erkenntnisse waren schließlich Motivation genug das Buch zu schreiben.

Projekt-log.de: Wie bist du an das Buch herangegangen?

Ralf Wirdemann: Nachdem der Plan stand, habe ich ein Jahr im laufenden Projekt recherchiert und eng zusammen mit dem Product Owner den Einsatz von User Stories im Kontext von Scrum voran getrieben. Wir haben gemeinsam Stories geschrieben, geschnitten und uns überlegt, wie wir technische Anforderungen in sinnvolle User Stories verpacken können. Parallel dazu habe ich die Erfahrungen dokumentiert und eine Rohfassung des Manuskripts geschrieben. Dies ging dann an meine Reviewer, welche mir zusätzliches wertvolles Feedback gegeben haben. Anschließend habe ich mir drei Monate dediziert Zeit genommen und das Buch auformuliert.

Projekt-log.de: Was erlebst du in deiner täglichen Arbeit? Wie stellt sich die tägliche Arbeit mit den Backlog bzw. mit den Product Ownern dar?

Ralf Wirdemann: Ich sehe uns ScrumMaster nicht nur als diejenigen, die den Prozess implementieren und Hindernisse aus dem Weg räumen, sondern auch als Coaches für gute Softwareentwicklung. Und dazu gehört es für mich auch, den Product Owner bei der Beschreibung von Anforderungen zu unterstützen. Gerade im Hinblick auf User Stories gibt es hier einiges zu tun, da für viele Product Owner das schriftliche spezifizieren von Anforderungen zur täglichen Arbeit gehört. Bei der Arbeit mit User Stories steht hingegen die verbale Kommunikation im Vordergrund und der ScrumMaster muss sehr viel mehr darauf achten, dass das Team mit dem Product Owner spricht und umgekehrt. Außerdem stelle ich immer wieder fest, dass Product Owner sich über Hilfe bei der Arbeit am Backlog freuen, insbesondere wenn es darum geht, Anforderungen so aufzubereiten, dass sie sowohl aus Sicht der Benutzer als auch aus softwaretechnischer Sicht Sinn ergeben.

Projekt-log.de: Muss der ScrumMaster deines Erachtens ein großes technisches Verständnis besitzen, um dieser Rolle gerecht zu werden?

Ralf Wirdemann: Das hat Vor- und Nachteile. Software-erfahrene ScrumMaster haben es leichter, technische Themen mit dem Team auf „Augenhöhe“ zu diskutieren. Sie verstehen bestimmte Probleme besser, sehen schneller, wenn auf der Entwicklungsebene etwas nicht optimal läuft und sind darüber hinaus in der Lage, technische Impediments selber aus dem Weg zu räumen. Auf der anderen Seite sehe ich die Gefahr, dass sich ScrumMaster mit technischem Verständnis in Verantwortungsbereiche des Teams einmischen, was in der reinen Scrum-Lehre nicht gern gesehen wird. Für mich persönlich überwiegen jedoch die Vorteile.

Projekt-log.de: Stößt du mit deiner Philosophie, User Stories seien das bessere Mittel für die Entwicklung von Software, häufig auf Widerstände?

Ralf Wirdemann: Manchmal dauert es seine Zeit, alle Beteiligten eines Projekts von User Stories zu überzeugen. Insbesondere die kommunikative Natur von Stories sorgt anfangs für Verunsicherung beim Team, aber auch beim Product Owner. Letztendlich weiß das Team nicht so genau, was es zu erwartet hat und der Product Owner weiß auch noch nicht so genau, was er am Ende bekommt. Haben sich Team und Product Owner nach einigen Sprints aber eingespielt, dann wird der Product Owner mehr und mehr Teil des Teams, der die im Sprint entwickelte Software aktiv mit gestaltet. Am Ende bekommt der Product Owner auf diese Art, was er wirklich haben will, und nicht etwas, was er vor einigen Wochen schriftlich spezifiziert hat. Und das Team hat auch etwas davon: Ein weiteres produktives Teammitglied, dass die Software aktiv mit gestaltet.

Projekt-log.de: Für wen ist dein Buch vorrangig geeignet?

Ralf Wirdemann: Die Arbeit mit User Stories erfordert von allen Beteiligten, dass sie das Konzept verstanden haben. Deshalb eignet sich das Buch für alle an einem agilen Softwareprojekt beteiligten Personen.

Projekt-log.de: Ein roter Faden in deinem Buch ist das Beispiel zu www.scrumcoaches.com. Wird uns da zukünftig noch etwas erwarten?

Ralf Wirdemann: Meine Vision ist es weiterhin, eine zentrale Plattform für Scrum-Coaches zu bauen, in der Unternehmen erfahrene Coaches anheuern können. Wichtig ist mir, dass die Reputation der Coaches auf Empfehlungen und nachgewiesen guter Arbeit basiert. Allerdings fehlt mir aktuell die Zeit, das Projekt mit dem notwendigen Engagement voranzutreiben.

Projekt-log.de: Welche Bücher zum Thema agile Software-Entwicklung sind deine Top 5?

Ralf Wirdemann: Sehr schöne Frage. Ich bin ein großer Fan von Top 5-Fragen:

  • Extreme Programming Explained von Kent Beck (ISBN-10: 0201616416)
  • Refactoring von Martin Fowler (ISBN-10: 0201485672)
  • The Pragmatic Programmer von Dave Thomas and Andy Hunt (ISBN-10: 020161622X)
  • User Stories Applied von Mike Cohn (ISBN-10: 0321205685)
  • Lean Software Development von den Poppendiecks (ISBN-10: 0321437381)

Projekt-log.de: Kannst du in einem Satz zusammenfassen, warum man das Buch kaufen sollte?

Ralf Wirdemann: Das Buch bringt Scrum auf den Punkt, lässt sich an einem Wochenende lesen und zeigt, wie sich Scrum und User Stores erfolgreich kombinieren lassen.

Projekt-log.de: Vielen Dank für das Gespräch und die interessanten Informationen.

Ralf Wirdemann: Ich habe zu danken.

Im zweiten Teil wird es um eine kleine Einführung in das Themengebiet User Stories gehen. Wer jetzt schon mehr wissen möchte, der kann sich auf www.ralfwirdemann.de umsehen oder die aktuellen Rezensionen zum Buch lesen.

Über den Autor

Momentan als Projektmanager und Agiler Coach in Hamburg tätig, unterstütze ich Scrum und Kanban Teams bei der Bewältigung ihrer alltäglichen Herausforderungen. Zudem bin ich mit dem Coaching von Mitarbeitern betraut und laufend bestrebt, in den Austausch mit Anwendern agiler Methoden zu treten.

  • Kategorie: Agile Softwareentwicklung|Literatur|Scrum|Tools
  • Schlagworte: Agil, Backlog, Buch, CSM, CSP, Extreme Programming, Framework, Interview, Kommunikation, Konzept, Management, Methode, Product Backlog, Product Owner, Scrum, Scrum Master, Team, Tool, User Stories, User Story, Weiterbildung, XP, Zusammenarbeit
  • Autor: Robert Wiechmann

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