Autor: Sven Röpstorff
09. 02.
Als Coach bin ich immer auf der Suche nach lehrreichen Spielen, mit denen ich meinen Workshopteilnehmern die agilen Werte und Prinzipien nahebringen kann. Eine wahre Fundgrube dafür ist TastyCupcakes.com. Hier habe ich kürzlich ein Spiel gefunden, mit dem man die “Wisdom of Crowds” sehr eindrucksvoll demonstrieren kann: People Polling. Es geht darum, eine Schätzung für einen komplexen Sachverhalt abzugeben und dabei zu erkennen, dass die Schätzung einer Gruppe der tatsächlichen Komplexität in der Regel näher kommt als die Schätzung Einzelner.
Dieses Spiel kann man ab 10 Teilnehmern spielen, je mehr desto besser. In der einfachsten Variante benötigt man lediglich einen Zettel und einen Stift für jeden Teilnehmer.
Im Vorfeld überlegt man sich, was man die Teilnehmer schätzen lassen möchte. TastyCupcakes.com macht einige Vorschläge:

Die Teilnehmer werden aufgefordert, ihre Schätzung verdeckt auf einen Zettel zu schreiben. Wenn alle Ihre Schätzung abgegeben haben, werden die Ergebnisse aufgedeckt (Tip: ein vorbereitetes Spreadsheet über den Beamer an die Wand werfen und die Ergebnisse gleich eintragen). Anschließend wird der Durchschnittswert berechnet und der tatsächliche Wert bekanntgegeben. Meistens wird man feststellen, dass der Durchschnittswert näher am tatsächlichen Wert liegt als die einzelnen Schätzungen der Teilnehmer. Natürlich kann es mal vorkommen, dass einzelne Teilnehmer sehr gut geschätzt haben. Wenn man das Experiment jedoch mehrfach durchführen würde, würde man erkennen, dass es sich hier um Ausreißer handelt.
Die Ergebnisse kann man hervorragend benutzen, um mit den Teilnehmern in eine Diskussion über Schätzungen in der Gruppe versus Einzelschätzungen einzusteigen.
Um die Vorgehensweise an die Estimation Meetings von Scrum anzupassen, habe ich mir zwei Änderungen überlegt:
Außerdem wollte ich das Spiel möglichst anschaulich gestalten und fand die auf TastyCupcakes.com genannten Vorschläge etwas langweilig. Daher habe ich Erbsen abgezählt und in ein Glas gefüllt (siehe oben). Ich zeige im Workshop ein Foto mit exakt 100 Erbsen (Referenz-Item) und lasse die Teilnehmer die Anzahl der Erbsen im Glas schätzen. Ich habe bewusst darauf verzichtet, als Referenz ein zweites Glas mit 100 Erbsen vorzubereiten, weil eine zu schätzende User Story in der Regel der Referenz-Story auch nicht besonders ähnlich ist. Ein erster Test mit der Familie ergab bereits eine erstaunliche Bandbreite.
Kleine Anekdote am Rande: Ich hatte das Erbsenglas in einer von oben einsehbaren Seitentasche meines Rucksacks, während ich am Hamburger Flughafen den Security Check passieren wollte. Plötzlich fragte mich der Sicherheitsbeamte, ob ich ein Kind dabei hätte, was ich leicht verwirrt verneinte. Dann würde dies hier als Flüssigkeit gelten, sagte er, und zog das Glas aus der Tasche. Es handelt sich dabei um ein Glas, in dem sich ehemals Babynahrung befand, mit einem entsprechend gebrandeten Deckel. Als er sah, dass nur Erbsen drin waren, gab er es mir ähnlich verwirrt wie ich zuvor zurück :-)
Ich verrate die Anzahl der Erbsen im Glas hier und jetzt nicht, sondern rufe alle Leser auf, mir Ihre Schätzung per E-Mail zuzuschicken. Wenn mindestens 10 Schätzungen zusammenkommen, veröffentliche ich die Auswertung hier. Mal sehen, wie gut wir als Gruppe sind.
Ergänzung 10.02.2010: Ich wurde darauf hingewiesen, dass die Größe des Glases auf dem Foto sehr schwer einzuschätzen ist, daher die folgende Hilfestellung: es handelt sich um ein großes Babynahrungsglas von Hipp, Höhe 12 cm (also nicht die Standardgröße, die viele von uns vielleicht noch aus der eigenen Kindheit kennen).
Viel Spaß beim Ausprobieren des Spiels, Feedback ist wie immer gern genommen.
1 Kommentar to Erbsenschätzerei
Webschau Wirtschaftsblogs 17.02.2010 « Blick Log
Februar 17th, 2010 at 07:44
[...] Erbsenschätzerei [...]