7 interessante Antworten von Marcus Raitner

03.10.2010

Dr. Marcus Raitner (36), unter anderem bekannt als Autor auf www.misc.raitner.de, steht in der heutigen Ausgabe der Interviewreihe im Mittelpunkt. Ich bin auf Marcus durch seine interessanten Blogbeiträge aufmerksam geworden, in denen seine Fertigkeiten und Kompetenzen aus den Bereichen Projektmanagement, Führung und Kommunikation deutlich werden.

Marcus langjährige Erfahrungen als Projektmanager kommen ihm aktuell beim Auf- und Ausbau eines kleinen Beratungshauses mit Sitz in München zugute. Dort arbeitet er als Senior Partner und hilft Unternehmen ihre IT-Projekte zu optimieren. Darüber hinaus ist Marcus als Informatikbotschafter für die Initiative Informatik studierender Ernst-Denert-Stiftung tätig. Diese hat zum Ziel, Schüler das Studium der Informatik schmackhaft zu machen und Vorurteile beiseite zu räumen.

Im Interview verrät Marcus, wie er sich Herausforderungen stellt und welche Situationen ihn besonders gefordert haben und welche Empfehlungen er bereit hält.

1. Was motiviert dich in dem was du tust?

Ein Antrieb war schon immer der Wunsch etwas zu bewegen, einen Unterschied zu machen, etwas zum Besseren zu verändern, einen sinnvollen Beitrag zu leisten. Dazu brauche ich unbedingt Freiräume, um selbstbestimmt arbeiten zu können; diese Freiheit ist mir sehr wichtig. Neben diesen grundlegenden Faktoren, motivieren mich in erster Linie Herausforderungen. Der nächste Schritt muss mir immer ein klein wenig Angst machen.

2. Wie versuchst du, dich ständig weiterzuentwickeln?

Ich suche mir neue Herausforderungen und versuche meine Komfortzone“ immer wieder bewusst zu verlassen. Erstens brauche ich das, um mich gefordert zu fühlen und zweitens lerne ich dabei am konkreten Beispiel und nicht nur theoretisch. Das Schreiben von Artikeln in meinem Blog dient dann in erster Linie dazu, Struktur in das Erlebte zu bringen und Erkenntnisse zu vertiefen.

Wenn meine Leser auch Gewinn aus den Artikeln ziehen, freut mich das umso mehr.

3. Aus welchem deiner Fehler oder schwierigen Projektsituationen hast du am meisten gelernt?

Vor einigen Jahren wurden wir mit der Beratung beim Aufsetzen eines großen IT-Projekts zur Vereinheitlichung der Montageplanung bei einem süddeutschen Automobilhersteller beauftragt, weil die internen Kapaziäten dort nicht ausreichten. Der Begriff Vereinheitlichung“ würde mich heute schon hellhörig machen. Zwar ging es vordergründig darum ein IT-Team zu leiten, Kosten zu schätzen, das Projekt zu planen und die Genehmigung voranzutreiben, also ganz normales Projektmanagement. Das eigentliche Problem war aber eine organisatorische Veränderung bei der viele kleine Königreiche betroffen waren. Wir produzierten also zunächst rein sachlich viele gute Ergebnisse, wurden aber trotzdem immer nur zur Projektionsfläche der Ängste der Betroffenen. Wir führten hoch-emotionale Diskussionen über die Sache, wo wir besser über die Ängste auf der Beziehungsebene gesprochen hätten. Es hat lange gedauert und viel Kraft gekostet, das zu verstehen.

4. Hast du eine Lieblingssoftware, um deine tägliche Arbeit zu erledigen, zu vereinfachen oder zu organisieren?

Da habe ich gleich mehrere. Der grundlegende Tipp: Ein Mac, bloss kein Windows mehr. Dann, Things, eine sehr gelungene Umsetzung von Getting Things Done (GTD), Mindmanager für Mindmaps und neuerdings bin ich ein großer Fan von Merlin zur Projektplanung geworden.

5. Welchen Tipp gibst du angehenden ProjekmanagerInnen mit auf den Weg?

Ja, sogar mehrere: Erstens, sich jemand Erfahrenen zu suchen an dessen Seite man gefahrlos lernen kann, z.B. indem man in zweiter Reihe die interne Steuerung eines Teams übernimmt (Innenminister“ nenne ich das gerne). Zweitens, möglichst viel Zeit mit den Menschen, sei es das eigene Team, das Management oder dem Kunden, zu verbringe. Einen Plan im stillen Kämmerchen zu erarbeiten ist schön, aber lange nicht so wichtig, wie ihn mit allen durchzukneten. Drittens, möglichst viel - nicht- zu tun. Klingt komisch, jedenfalls dann wenn man gerade mit gefülltem Werkzeugkoffer aus der Schulung kommt. Ich meine jedoch damit, die Erkenntnis, dass man sich als Projektmanager fokussieren muss auf die 20% der Tätigkeiten, die einen Unterschied machen werden.

6. Welche fachspezifischen Blogs oder Websites liest du regelmäßig bzw. empfiehlst du?

7. Welches Buch liest du gerade oder empfiehlst du als Pflichtlektüre?

 

Zur Zeit lese ich Deutsch für Kenner von Wolf Schneider. Kann ich jedem der gerne schreibt wärmstens empfehlen. Als Pflichtlektüre für Führungskräfte – und dazu zählen auch Projektmanager – empfehle ich:

  • Alles von Tom deMarco, insbesondere Peopleware, Spielräume oder Bärentango
  • Miteinander reden 1-3 von Friedemann Schulz von Thun
  • Mythos Motivation: Wege aus einer Sackgasse von Reinhard K. Sprenger
  • Führen, Fördern, Coache: So entwickeln Sie die Potentiale Ihrer Mitarbeiter von Elisabeth Haberleitner, Elisabeth Diestler, Robert Ungvari
  • Rework ( siehe auch meine Rezension des Buchs) von Jason Fried, David Heinemeier Hansson
  • vieles von Peter Drucker

Weitere Empfehlungen habe ich auf meinem Blog zusammengefasst.

Autor: Robert Wiechmann

Robert Wiechmann arbeitet als Agiler Projektmanager vorrangig in der Rolle als Scrum Master und Kanban Coach. Zu seiner Leidenschaft zählen die Arbeit mit Menschen, insbesondere der Aufbau von produktiven Agilen Teams und die praktische Anwendung von Agilen Softwareentwicklungsmethoden. Zusammen mit Sven Röpstorff verfasste er das Buch Scrum in der Praxis.