Chaos im Projekt – Gibt es einen Ausweg?

Viele Softwareprojekte laufen in einer Art „Emergency Mode“. Das Projektteam ist kontinuierlich damit beschäftigt Feuer zu löschen. Immer neue Glutnester entstehen, die umgehend beseitigt werden müssen. Scheitert heute ein Deployment, fehlen morgen wichtige Konfigurationsinformationen der Testumgebung, weil niemand dazu gekommen ist die notwendigen Daten zusammen zu tragen. Das Projekt steckt in einem Teufelskreis, in dem keine Zeit zum Lernen bleibt und ein normaler Arbeitsmodus unmöglich ist, weil Hektik den Arbeitsalltag dominiert. Die Scrum-Meetings werden zwar durchgeführt, allerdings verkommen die Retrospektiven zu Alibi-Veranstaltungen, weil die Muße für den Rückblick auf den letzten Sprint fehlt und ebenso wenig Ruhe zur Ableitung und Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen gegeben ist. Der Teufelskreis der Projekt-Hektik muss also durchbrochen werden, aber wie?

In seinem Artikel „Catch the Pig!“ (PragPub – The first Iteration; Issue#23; May 2011) vergleicht Brian Tarbox die oben beschriebene chaotische Projektsituation mit einem Schwein, das in einem Porzellanladen herum irrt. Ein Teil der Mitarbeiter versucht das Porzellan verzweifelt aufzufangen bevor es auf dem Boden landet, während andere bereits entstandenen Bruch mit Sekundenkleber flicken. Zur Lösung des Problems empfiehlt Brian Tarbox das zerbrechende Porzellan für einen Moment lang zu vergessen und stattdessen das Schwein einzufangen.

Im wahren Leben werden Sie höchst wahrscheinlich nicht nur ein Schwein einfangen müssen, sondern möglicherweise eine ganze Herde. Daher schlage ich vor, einen Moment lang inne zu halten und sich dann genau ein wesentliches Projekt-Problem heraus zu greifen, z.B. die scheiternden Deployments. Suchen Sie dann nach Mitstreitern, die mit Ihnen nach der Ursache suchen, einen Vorschlag zur Beseitigung entwickeln und diesen umsetzen. Seien Sie sich dabei der Tatsache bewusst, dass während dessen weiteres Porzellan zu Bruch gehen wird.

Im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (Kaizen) rate ich davon ab mehrere Probleme gleichzeitig lösen zu wollen oder große Umstrukturierungen vorzunehmen. Stattdessen empfiehlt es sich Problem für Problem schrittweise anzugehen und saubere Prozesse im Projekt zu etablieren.

Wie gehen Sie mit chaotischen Projektsituationen um?

Autor: Katja Roth

Katja Roth ist zertifizierte Projektmanagement-Fachfrau (GPM) IPMA Level D und seit vielen Jahren als Senior Projektmanagerin und Scrum Master in verschiedenen Branchen tätig. Als Agile Coach berät sie Unternehmen bei der Einführung agiler Methoden. Ihre Leidenschaft gilt dabei insbesondere dem agilen Produktmanagement. Als Autorin von Fachartikeln und Trainerin teilt sie ihr Wissen gern mit anderen Menschen.

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