Es ist immer wieder faszinierend, auf welch unterschiedliche Product Backlogs man bei verschiedenen Kunden trifft. Scrum macht hier keine Vorgaben, so dass jeder frei ist, sein Backlog nach Lust und Laune zu gestalten. Ich stelle allerdings oft fest, dass Anspruch und Umsetzung weit auseinanderlaufen. Der größte Knaller war, dass ein Product Owner einem Team, das bereits seit mehreren Wochen mit einer (sehr mäßigen) Liste sprintete, ein paar Tage vor Ende des Sprints ein vierzigseitiges (40!) Dokument mit dem Titel “Product Backlog Sprint 1″ vorlegte. Die Argumentation für dieses Dokument war die, dass der Kunde sehr konventionell veranlagt sei, diese Art der Dokumentation für das Review (~ Lenkungsausschusssitzung) erwarte und mit einer Listendarstellung nichts anfangen könne. Das Team solle doch bitte dieses Dokument durchlesen und bestätigen, dass genau der beschriebene Inhalt im Review gezeigt würde. Muss ich erwähnen, dass der Inhalt des Dokuments von dem Selected Product Backlog abwich, das vor ungefähr fünf Wochen committed wurde?
Ich betrachte das Product Backlog als den Heiligen Gral eines Scrum Projektes. Es gibt nur einen Hüter des Grals (PO), er verspricht Glückseligkeit (Projektziel) und ist umgeben von einer Gemeinschaft, die Mangel leidet (sonst gäbe es ja kein Projekt).
Neben der inhaltlichen Komponente (wie sind die User Stories geschnitten, wie groß sind sie, folgen sie dem INVEST-Prinzip, …) erachte ich die Struktur des Product Backlogs als einen wichtigen Erfolgsfaktor. In der Vergangenheit habe ich sehr verschieden aufgebaute Product Backlogs angetroffen. Im Folgenden möchte ich eine Version vorstellen, die quasi ein best-of-breed aus meinen Erfahrungen darstellt und die ich als generische Grundstruktur für am besten halte. Sie soll lediglich eine Startstruktur bieten, man kann natürlich die eine oder andere Spalte weglassen oder hinzufügen, falls das Projekt es erfordert. Ich habe die Überschriften englisch gelassen, weil diese feststehenden Begriffe häufig auch in deutschsprachigen Projekten benutzt werden.
Definitionen und Beispiele der folgenden Aufstellung habe ich dem Buch “Scrum mit User Stories” von Ralf Wirdemann entnommen, das ich sehr empfehlen kann.
Spätestens zu Beginn eines Sprints müssen diese Informationen für alle sprint-relevanten Backlog Items komplett vorliegen, um nicht in die anfangs skizzierte Situation zu geraten.
Außer Inhalt und Struktur ist auch der Ablageort des Product Backlogs sehr wichtig. Die Diskussion über dieses Thema würde den Artikel sprengen, daher möchte ich gern alle Leser einladen, ihre postiven oder negativen Erfahrungen mit Excel, Wikis, Tools etc. als Kommentar zu hinterlassen. Unabhängig vom gewählten Medium ist für mich ein Faktor sehr wichtig: Das Product Backlog muss “highly visible” sein. Jeder, der sich für das Product Backlog interessiert, muss intuitiv und zügig an das Product Backlog gelangen können. Wie kriegt Ihr das hin?
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1 Kommentar zu Die Struktur des Heiligen Grals
Agile und schlanke Projektmanagement-Methoden auf dem Vormarsch? (Update) » MacPM.net
20.05.2010 um 12:10
[...] Eine schöne Bestätigung meiner Bedenken habe ich heute auf dem Projekt-Log gefunden. Dort wird ein Fall beschrieben, bei dem ein 40-Seitiges! Papier mit dem Titel “Product Backlog Sprint 1″ [...]