In meinem Blogbeitrag Erbsenschätzerei hatte ich vor ein paar Wochen eine Möglichkeit vorgestellt, den Teilnehmern eines Workshops die Wisdom of Crowds zu verdeutlichen, indem man sie erst individuell und dann als Gruppe die Anzahl von Erbsen in einem Glas schätzen lässt. In der Zwischenzeit habe ich sowohl mein aktuelles Scrumteam schätzen lassen als auch einige Leserzuschriften mit Schätzungen bekommen. Die Ergebnisse stelle ich in diesem Artikel vor.
Fangen wir mit dem Ergebnis des Teams an. Im Vergleich zu den Lesern des Blogs hatte das Team den Vorteil, das Erbsenglas anfassen und herumreichen zu können. Bestimmt gab es auch ein paar Schlaules, die schnell und unauffällig mal die Erbsen am Boden des Glases gezählt und hochgerechnet haben.
Zunächst habe ich darum gebeten, dass jeder seine eigene Schätzung abgibt, ohne sich durch die anderen Teilnehmer beinflussen zu lassen. Die Ergebnisse finden sich in der folgenden Liste:
3600
2222
500
300
850
700
850
500
400
600
500
250
800
550
Es gab natürlich ein großes Hallo, als die Kollegen sahen, wie sehr doch die inviduellen Schätzungen auseinanderliefen. Schon spannend, wie unterschiedlich die gleiche Realität von unterschiedlichen Personen bewertet wird.
Ohne weiter auf die individuellen Schätzungen einzugehen, bat ich das Team anschließend, sich auf einen gemeinsamen Wert zu einigen, wobei ich insbesondere die Kollegen mit den besonders hohen und niedrigen Werten bat, diese zu kommentieren. Ein ganz Schlauer rief “Kommt, wir nehmen einfach den Durchschnitt!”, aber ich konnte das Team überzeugen, dass es hier eher um die Diskussion und um das Finden einer gemeinsamen Schätzung ging, mit der alle leben können und bei der sich jeder mit seiner Meinung einbringen konnte.
Als finale Werte ergaben sich die folgenden Schätzungen:
Durchschnitt aus den Individualschätzungen: 902 Erbsen
Gemeinsamer Wert des Teams: 707 Erbsen
Ich mache es noch ein wenig spannend, indem ich zunächst die Schätzungen der Blogleser veröffentliche. Leider gab es nur sehr wenige Zuschriften, aber ich halte das Ergebnis trotzdem für verwendbar. Damit jeder seine eigene Schätzung wiederfinden und mit dem echten Wert vergleichen kann, habe ich die Initialen in Klammern hinter den Wert geschrieben. Vielen Dank an alle Leser, die an der Schätzung teilgenommen haben.
Folgende Schätzungen wurden abgegeben:
Auch hier lässt sich eine breite Streuung beobachten, die aber erstaunlicherweise nicht so extrem ist wie bei den Kollegen, die das Glas in die Hand nehmen konnten. Aufgrund der räumlichen und zeitlichen Verteilung der Schätzenden müssen wir uns hier leider mit dem Durchschnitt zufriedengeben, dieser beträgt 700 Erbsen.
Ich fasse noch einmal zusammen:
Durchschnitt Individualschätzungen Team: 902 Erbsen
Durchschnitt Individualschätzungen Leser: 700 Erbsen
Gemeinsame Schätzung Team: 702 Erbsen
Und der tatsächliche Wert beträgt *Trommelwirbel* … *Tusch* … 818 Erbsen
Im Falle der Individualschätzungen des Teams gab es tatsächlich drei Kollegen, deren Schätzung näher am realen Wert waren als die Gruppenschätzung, aber auch Schätzungen, die weit jenseits des realen Wertes lagen. Trotzdem lässt sich daran sehr gut beobachten, dass das Befragen mehrerer Personen sehr gute Ergebnisse bringt. In vielen Projekten wird leider der Aufwand (und nicht die Komplexität :-( ) immer noch von einer einzelnen Person geschätzt. Wenn diese Person dann so danebenliegt wie die vereinzelten Kollegen, na dann gute Nacht.
Bei der Leserschätzungen ist das Ergebnis eindeutig: Kein individueller Schätzer war besser als die Gruppe. Quod erat demonstrandum, wie meine Mathelehrerin immer zu sagen pflegte.
Falls Ihr dieses Spielchen mal ausprobiert oder andere schöne Möglichkeiten kennt, dem Team etwas zu vermitteln, freue ich mich über eine Nachricht.
1 Kommentar zu Erbsenschätzerei reloaded
Eberhard Huber
08.03.2010 um 11:51
Der erste Beitrag ist mir leider entgangen sonst hätte ich mitgeschätzt. Interessantes und aufschlussreiches Experiment.