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Lieber Sprint, ich hasse Dich …

02.03.2011

Retrospektiven und Lessons Learned gehören zu den wichtigsten Dingen im Projektmanagement, sowohl traditionell als auch agil. Viele Teams, Projektmanager, Scrum Master, Manager usw. wissen dies und erkennen es an. Manchmal aber treffe ich auf Teams, die keine Retrospektive durchführen wollen. “Das ist doch immer das gleiche”, “Das ist so langweilig”, “Ich wüsste nichts, was man verbessern könnte”, “Danach passiert doch sowieso nichts” sind oft genannte Gründe. Ich habe daraufhin mal darüber nachgedacht, wie man Retrospektiven interessanter und kurzweiliger gestalten könnte. Eine Idee beschreibe ich hier: Liebesbriefe und Hassbriefe.

In meinem Scrum Master Training vor einigen Jahren habe ich die folgende Vorgehensweise für Retrospektiven kennengelernt:

  • Storytelling zum Aufwärmen
  • Aufschreiben von bis zu drei Dingen, die gut liefen
  • Mentaler Trenner (ein lustiges Video zeigen, einen Witz erzählen, …)
  • Aufschreiben von bis zu drei Dingen, die verbessert werden sollten
  • Maßnahmen aus den guten und verbesserungswürdigen Dingen ableiten

Erfahrende Teams langweilen sich bei dieser Agenda nach einiger Zeit, lassen z.B. das Storytelling aus, um Zeit zu sparen. Spätestens jetzt ist ein guter Zeitpunkt für Veränderungen, zum Beispiel durch Liebesbriefe und Hassbriefe. Diese habe ich in einer Spielsession von Danny Kovatch auf der AgileEE 2010 kennengelernt.

Zu Beginn der Restrospektive bitte ich das Team, sich in Gruppen zu drei bis fünf Personen aufzuteilen. Dann bitte ich jede Gruppe, zwei Briefe an den letzten Sprint zu schreiben:

  1. Einen Liebesbrief, beginnend mit “Lieber Sprint, ich liebe Dich so sehr …”, der die positiven Dinge des Sprints enthält
  2. Einen Hassbrief, beginnend mit “Lieber Sprint, ich hasse Dich …”, der alle verbesserungswürdigen Dinge aus dem Sprint erwähnt

Jede Gruppe kann selbst entscheiden, in welchem Stil sie den Brief schreiben möchte. Manche bevorzugen eine Stichwortliste, manche schreiben richtig ausgefeilte Briefe und haben eine Menge Spaß beim Ausformulieren der Punkte. Je nach Größe der Gruppen macht es Sinn, eine Timebox von 10 bis 15 Minuten pro Brief zu setzen.

Anschließend liest jede Gruppe den anderen Gruppen ihren Liebesbrief vor, während diese die “Dinge, die gut liefen” notieren und als Karten an die Wand hängen. Ich benutze in der Regel grüne Karten für gute Dinge und rote Karten für verbesserungswürdige Dinge. Falls das Team zu klein ist, um sich in Gruppen zu verteilen, schreiben die Mitglieder die Karten selbst, sollten aber trotzdem vorher den Brief schreiben, weil der interaktive Prozess des gemeinsamen Besprechens und Formulierens der wichtige Teil der Übung ist.

Nachdem alle Liebesbriefe vorgelesen wurden, sollte ein kleiner mentaler Trenner durchgeführt werden, damit sich gute und verbesserungswürdige Punkte in den Köpfen der Teilnehmer nicht vermischen. Ich zeige in der Regel ein kurzes lustiges Video von Youtube.

Anschließend wird die Prozedur analog mit den Hassbriefen durchgeführt. Nun hat man auf einmal an der Wand eine Menge Karten, aus denen man Maßnahmen für zukünftige Sprints ableiten kann. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, das Team zu bitten, für jede Maßnahme einen Verantwortlichen zu benennen, damit niemand den Begriff TEAM zu wörtlich nimmt (TEAM = Toll, Ein Anderer Macht’s).

Mit dieser Art, Retrospektiven zu gestalten, beobachte ich in den Gruppen eine Menge Spaß und Gelächter. Natürlich kann man nun nicht auf ewige Zeiten diese Variante anwenden, denn irgendwann wird sie auch langweilig. Aber wenn man einen guten Mix aus spielerischen Herangehensweisen hat, kann man jede kommende Retrospektive spannend und unterhaltsam gestalten.

Ich bin sehr an Eurer Art der Retrospektiven-Durchführung interessiert. Ich freue mich über jede Kontaktaufnahme und jeden Kommentar zu diesem Artikel.

AutorIn des Artikels

Sven Röpstorff hat 21 Artikel verfasst.
Sven Röpstorff arbeitet freiberuflich als agiler Projektmanager und Coach mit über 16 Jahren Berufserfahrung. Mit seinen Teams probiert er gern neue Wege und Methoden, um sich und sein Umfeld stets weiter zu verbessern. In seinen Vorträgen und Workshops bringt er den Menschen agile Vorgehensweisen auf interessante und spielerische Weise nahe und macht sie somit sichtbar, fühlbar, erlebbar.

  • Kategorie: Agile Softwareentwicklung|Projektmanagement|Scrum
  • Schlagworte: Agil, Agile, Agile Softwareentwicklung, Führung, Games, Management, Projektmanagement, Retrospective, Retrospektive, Scrum, Spiel
  • Autor: Sven Röpstorff

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5 Kommentare zu Lieber Sprint, ich hasse Dich …

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Romantische Liebesbriefe schreiben: Tipps und Vorbilder | RSS Verzeichnis

06.03.2011

[...] http://www.projekt-log.de/projektmanagement/lieber-sprint-ich-hasse-dich/ … sollten aber trotzdem vorher den Brief schreiben , weil der interaktive Prozess des gemeinsamen Besprechens und Formulierens der wichtige Teil der Übung ist. Nachdem alle Liebesbriefe vorgelesen wurden, sollte ein kleiner mentaler … [...]

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Produktmanagement Lesetipps: Überblick agiler und schlanker Methoden, die Rolle des Product Owners, 10 Tipps zur Backlogpflege, Sprint-Retrospektiven, Usertests « Produktmanagement und Vermarktung von Internet-Anwendungen

14.03.2011

[...] breit macht, ist es förderlich, für Variationen im Ablauf der Sprint-Meetings zu sorgen. Eine Idee, wie sich Sprint-Retrospektiven interessanter und kurzweiliger gestalten lassen, gibt es im [...]

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Voltaire.in » Lieber Sprint, ich hasse Dich …

18.03.2011

[...] projekt-log.de [...]

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John Doe

21.04.2011

“Liebesbriefe” an den Sprint in der Retrospektive?

Mein Teammitglieder würden auszucken, wenn ich das vorschlagen würde.

Wie alt sind Ihre Teammitglieder? Irgendwie verspüre ich generell die Tendenz, dass an die Retrospektive (wie auch teilweise an das Sprint Planning) viel zu spielerisch, um nicht zu sagen kindisch, herangegangen wird. Dies bewirkt, dass Scrum gar nicht mal vom Prozess/Framwork an sich her sondern wegen dieser kindischen Herangehensweise bei vielen auf Ablehnung stößt.

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Jane Doe

17.11.2011

@John Doe

Ich habe diese Methode bei der letzten Retro erfolgreich eingesetzt, auch wenn ich Anfangs skeptisch war. Alle Teammitglieder haben sich wenn auch Anfangs noch widerwillig mit den Briefen beschäftigt und schnell eingesehen dass es ein geeignetes Mittel zur Kritikäußerung ist. Herrausgekommen sind teils amüsante aber auch sehr kritische Briefe, die eine schöne Abwechslung im SCRUM Alltag darstellen. Auf Dauer ist der gleiche Ablauf einer Retrospektive nämlich langweilig und verleitet dazu vieles abzukürzen. Am Ende stellen sich viele dann die Frage ” Wozu das Ganze?” Dies ist für mich ein Signal dafür, dass der Scrum Master versagt hat.

P.S Unser Team hat einen Altersdurchschnitt von ca 32 Jahren.

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