Ein Story Owner hält den Fokus auf der User Story

19.11.2012

Ich beobachte häufig, dass eine User Story vom Entwicklungsteam als „Done“ betrachtet wird, meist besiegelt durch die Abnahme des Product Owners. Tatsächlich hat aber oft keine finale Überprüfung der Definition of Done stattgefunden. Jedes Teammitglied verlässt sich darauf, dass ein anderes Teammitglied die Punkte noch einmal geprüft hat und wenn der Product Owner die Story abgenommen hat, verschwindet sie aus dem Fokus. Spätestens beim Review wird plötzlich deutlich, dass etwas nicht wie gewünscht funktioniert.

Um meine Teams dabei zu unterstützen, ihre selbstauferlegten Qualitätskriterien (=Definition of Done) zu erfüllen, schlage ich manchmal vor, einen sogenannten Story Owner für jede User Story zu benennen. Allgemein gesprochen sorgt der Story Owner dafür, dass eine bestimmte User Story unter Beachtung aller vereinbarten Rahmenbedingungen in den Status „Done“ überführt wird. Der Story Owner muss dabei nicht notwendigerweise alle Schritte selbst erledigen, sondern ist dafür verantwortlich, dass sie erledigt werden. Die konkrete Ausprägung der Aufgabe ist teamabhängig; folgende Tätigkeiten könnten zum Beispiel dazugehören:

  • Sicherstellen der Fertigstellung der Arbeit an den höchstpriorisierten User Stories: Wenn der Story Owner der obersten noch nicht erledigten User Story am Scrum-Board sieht, dass jemand aus dem Team an einer weniger hoch priorisierten Story arbeitet, sollte er denjenigen bitten, zunächst die Arbeit an der höher priorisierten Story zu unterstützen.
  • Überprüfung der Definition of Done, bevor die User Story dem Product Owner gezeigt wird
  • Einholen der Akzeptanz des Product Owners

Wie bereits oben erwähnt, handelt es sich lediglich um einen Vorschlag. Es ist eine Entscheidung des Teams, ob es Story Owner benennen will und welches die konkreten Todos sind. Man sollte aber darauf achten, dass diese Aufgabe nicht zu viel Gewicht bekommt. Es handelt sich nicht um eine „Rolle”, vergleichbar mit den drei Scrum-Rollen, sondern eher um eine „Patenschaft“. Insbesondere bei Teams mit wenig Erfahrung in der Selbstorganisation ist dies ein gutes Hilfsmittel, um den Fokus auf die wichtigsten Stories und Tasks zu lenken.

Dieser Artikel wurde aus dem Buch ”Scrum in der Praxis” abgeleitet. Im Buch finden sich viele nützlich Tipps und Tricks für die tägliche Arbeit als Scrum Master. Auch auf der Webseite zum Buch finden sich nützliche Links, Checklisten und Literaturempfehlungen sowie alls im Buch verwendeten Grafiken zur freien Verfügung.

Dieser Artikel ist auch auf englisch verfügbar.

Autor: Sven Röpstorff

Sven Röpstorff arbeitet freiberuflich als agiler Projektmanager und Coach mit über 16 Jahren Berufserfahrung. Mit seinen Teams probiert er gern neue Wege und Methoden, um sich und sein Umfeld stets weiter zu verbessern. In seinen Vorträgen und Workshops bringt er den Menschen agile Vorgehensweisen auf interessante und spielerische Weise nahe und macht sie somit sichtbar, fühlbar, erlebbar.