Feedback, please!

Zur Durchführung von Sprint-Retrospektiven gibt es eine Vielzahl von Methoden. Viele dieser Techniken sind ausschließlich auf den vergangenen Sprint ausgerichtet und leiten davon ausgehend Anpassungen des Arbeitsprozesses ab. Von Zeit zu Zeit verlasse ich mit meinem Team jedoch gerne den Sprint-Fokus, damit wir uns verschiedene Themenkomplexe vornehmen können, die in einer üblichen Retrospektive oft zu kurz kommen.

So halte ich es für wichtig von Zeit zu Zeit die Zusammenarbeit und die Beziehung der Teammitglieder untereinander unter die Lupe nehmen, um Vertrauen und einen offenen Umgang im Team zu fördern. Eine tolle Methode ist hier das Speed-Feedback, das ich neulich kennengelernt habe. Dabei geben Mitglieder des Teams einander paarweise in einem geschützten Raum Feedback. Gesprächsregeln sind nicht vorgegeben. Im Sinne eines respektvollen Gesprächsverlauf sollte jeder natürlich die Regeln des Feedback-Gebens beachten.

Nun zum sehr einfachen Ablauf: die Teilnehmer sollten einige Tage vor der Retrospektive vom geplanten Speed-Feedback wissen, damit sie sich auf die Gespräche vorbereiten können. Zum Beginn des Meetings zieht jedes Teammitglied eine Karte aus einem vom Moderator vorbereiteten Stapel von paarweise gleichen Planning-Pokerkarten. Jeweils gleiche Karten ergeben eine Speed-Feedback-Paarung. Für jedes dieser Paare sollte ein eigener Raum oder zumindest ein separater Bereich zur Verfügung stehen, um eine ungestörte Atmosphäre zu schaffen. Jede Feedback-Runde dauert 10 Minuten, dann wird erneut gelost.

Ich habe als Teilnehmerin eines solchen Speed-Feedbacks die Erfahrung gemacht, dass keine Runde der anderen gleicht. Hatten sich einige meiner Gesprächspartner intensiv vorbereitet, haben sich andere sehr spontan überlegt, was sie mir sagen könnten. Eine Kollegin beispielsweise kannte ich noch nicht, da sie noch neu im Team war. Also haben wir die 10 Minuten zum Kennenlernen genutzt.

Habe ich aus den strukturiert vorbereiteten Gesprächen eine Menge darüber gelernt, wie ich gesehen werde, haben mir auf der anderen Seite auch die lockeren Gespräche einiges gebracht. So habe meine Kollegen sehr viel besser kennengelernt und insbesondere Vertrauen zu ihnen aufgebaut. Besonders auffallend war übrigens die lockere und gelöste Stimmung im Team nach drei Feedbackrunden.

Viel Spaß beim Nachmachen!

Autor: Katja Roth

Katja Roth ist zertifizierte Projektmanagement-Fachfrau (GPM) IPMA Level D und seit vielen Jahren als Senior Projektmanagerin und Scrum Master in verschiedenen Branchen tätig. Als Agile Coach berät sie Unternehmen bei der Einführung agiler Methoden. Ihre Leidenschaft gilt dabei insbesondere dem agilen Produktmanagement. Als Autorin von Fachartikeln und Trainerin teilt sie ihr Wissen gern mit anderen Menschen.

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