Scrum Gathering München

26.10.2009

Das Scrum Gathering in München ist Geschichte und meine Gedanken zum diesjährigen Treffen sind nun sortiert. Ich habe interessante Menschen kennengelernt und auch die eine oder andere Anregung für zukünftige Projekte, Vorträge, Workshops oder auch Diskussionen mitgenommen. Neben den fachlichen Inhalten, die an genügend anderen Stellen diskutiert werden, sind mir ein paar andere Dinge aufgefallen, einige positiv, einige negativ:

Board of Directors

Der Weggang von Ken Schwaber hat die Scrum Alliance und die Community sicher erschüttert. Gerade deshalb habe ich von den Board Mitgliedern erwartet, dass sie eine neue Aufbruchstimmung vermitteln, dass sie charismatisch voranschreiten und ein Ruck durch die Community geht. Nun ja, in der Community habe ich sehr engagierte Scrummer kennengelernt, aber die Board Member…? Am zweiten Tag des Gatherings gab es eine Panel Diskussion mit dem Board. Anwesend waren vier der sechs Herren und alle wirkten müde und lustlos. @andybrandt hat sehr treffend getwittert: At #scrumgathering in Munich. Looking at four sad gentlemen who are the Scrum Alliance board. I wonder why they are so sad?

Open Space

Sehr beeindruckend fand ich, wie die Community während der Panel Diskussion mit den Vorstandsmitgliedern für zukünftige Gatherings wieder Open Spaces gefordert hat. Eine spontane Standup-Abstimmung brachte mindestens 60% Zustimmung. Und noch beeindruckender war die Tatsache, dass die Community für den nächsten Morgen um 08:15 Uhr einen spontanen Guerilla Open Space organisiert hat. Super!

Timebox

Ich war erstaunt, wieviele Vorträge a) verspätet begannen und b) noch mehr verspätet aufhörten! Hallo? Wir machen Scrum. Wir beginnen just in time und wir hören just in time auf. Schreiben wir uns nicht ein Armutszeugnis, wenn wir uns nicht an unsere eigenen Prinzipien halten?

Verpflegung

Es gab zum einen die von der Scrum Alliance organisierte Verpflegung, die durch das Hotel sichergestellt war. Hervorragendes Mittagessen, leckere Snacks, hat mir super gefallen. Weiter gab es eine Verpflegungsinsel, die vom Bor!sGloger-Team betreut wurde. Hier gab es frisches Obst und Gemüse, frischgepresste Säfte, Kaffeespezialitäten und am zweiten Abend sogar Caipirinha. Awesome!

Räumlichkeiten

Meines Erachtens waren die Räume zu klein. In jedem Vortrag, den ich mir angehört habe, mussten Leute stehen oder auf dem Boden sitzen. Ich denke nicht, dass ich nur die Mainstream-Vorträge gehört habe, gehe also davon aus, dass es bei den parallelen Vorträgen ähnlich aussah.

Vortragsauswahl

Ich kann mir nicht helfen, aber die Auswahl der Vorträge wirkte ein wenig geklüngelt. Sicher gibt es Sprecher, die einfach gut sind und nicht fehlen dürfen. Wenn allerdings Sprecher mehrere unterschiedliche Vorträge halten dürfen, während andere Vorträge kommentarlos abgelehnt werden, wirkt es schon etwas seltsam. Außerdem waren nicht alle Sprecher und Vorträge gut. Ich hatte den Eindruck, dass viele Sprecher CSC’s und CST’s waren, also durch das Board zum Ritter geschlagen, was den Eindruck des Klüngels bei mir noch verstärkte (wofür sicher die Sprecher nichts können, sie haben ja lediglich ihre Vortragsvorschläge eingereicht). Und nein, ich bin nicht einfach nur beleidigt, weil mein Vortrag nicht angenommen wurde. Ich habe mit Kollegen gesprochen, die das gleiche “Schicksal” erlitten haben und es genauso wenig nachvollziehen können.

Grenzen gesprengt

Es gab eine Session von Gwyn Morfey und Laurie Young zum Thema Practical Tools for Scrum Teams, die dermaßen erfrischend anders war, dass ich sie explizit erwähnen möchte. Powerpoint Slides kann ja inzwischen keiner mehr sehen und die Keynote-Themes sind zwar immer noch nett, hauen aber auch niemanden mehr ernsthaft vom Hocker. Die beiden Kollegen haben alle Folien vorher auf Flipcharts und Whiteboards geschrieben, diese abfotografiert und die Fotos als Slides benutzt. Ein tolles (natürlich inhaltsbezogenes) Unterhaltungsprogramm, um den Vortrag noch lebendiger zu gestalten, rundete die Sache ab. So gingen die beiden z.B. mit (Papier-)Schwertern aufeinander los und haben den Vorgang des “build fails” als Rollenspiel gestaltet. Lehrreich und unterhaltsam. Setzen, eins!

Soviel also zu meinen nicht-fachlichen Eindrücken vom Scrum Gathering 2009. Es handelt sich dabei um meine ganz persönliche Sicht, einigen Tweets entnehme ich durchaus positives Feedback zu den Punkten, die mich gestört haben.

Dieser Artikel wurde von Sven Röpstorff (www.transment.com) verfasst. Sven Röpstorff ist zertifizierter Project Management Professional (PMP) mit über 14 Jahren Berufserfahrung in unterschiedlichen Rollen im Projektmanagement. Seit Jahren beschäftigt er sich mit Agilität und hat als Certified Scrum Master (CSM) und Certified Scrum Practitioner (CSP) bereits erfolgreich Unternehmen bei der Einführung und dem Einsatz von Scrum begleitet.

Autor: Sven Röpstorff

Sven Röpstorff arbeitet freiberuflich als agiler Projektmanager und Coach mit über 16 Jahren Berufserfahrung. Mit seinen Teams probiert er gern neue Wege und Methoden, um sich und sein Umfeld stets weiter zu verbessern. In seinen Vorträgen und Workshops bringt er den Menschen agile Vorgehensweisen auf interessante und spielerische Weise nahe und macht sie somit sichtbar, fühlbar, erlebbar.

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